2.000 Unterschriften gegen Verschleppung des Radweges
„Es sind von Tag zu Tag mehr geworden“, freut sich Helge Mannott, dass seine Initiative für den Kampf um die zügige Fertigstellung des Radweges vom Bahnhof West nach Albringhausen am Wochenende einen unübersehbaren Höhepunkt in der Landeshauptstadt erreicht hatte. Weit mehr als 50 Radfahrer aus Gevelsberg gaben über 2.000 Unterschriften unter eine Petition für ein Ende der Verschleppungen um den Ausbau des wichtigen Radwegteilstückes in ihrer Stadt im Landtag von NRW ab.
In den letzten Tagen vor der angekündigten Protestfahrt ist aus der Aktion der SPD eine Kampagne geworden. „Täglich fanden sich in unserem Briefkasten ausgefüllte Unterschriftenlisten“, berichtet Mannott nach der Ankunft am Rhein. Der aktive Radfahrer hat eine Bewegung auf zwei Räder ausgelöst. Selbst auf der Fahrt nach Düsseldorf versicherten ihm Mitstreiter, noch volle Unterschriftenlisten nachzureichen, die sie noch nicht wieder einsammeln konnten.
Eine vielfältig gemischte Truppe bestehend aus Gevelsberger Bürgerinnen und Bürgern im Alter von 8 bis 77 Jahren machten sich am Samstag auf die 55 Kilometer lange Strecke. Ab und zu schloss sich ein Radler aus Solidarität an. Ein Unterstützer aus Haan brachte es auf den Punkt: „Ich kann doch nicht hinnehmen, dass die Welt auf zwei Rädern für mich in Gevelsberg im Nichts endet. Ich möchte Euch dabei unterstützen, dass es voran geht.“
Und für Gevelsbergs Bürgermeister Claus Jacobi war die Aktion der Beweis dafür, dass der gute Wille Radwege versetzen kann: „Ich habe mitgezählt. Wir sind durch insgesamt sieben Tunnel gefahren, die meisten auf Wuppertaler Gebiet. Alle waren naturschutzgerecht und verkehrssicher ausgebaut. Nur beim Silscheder Tunnel soll das nicht möglich sein?“ Der Spitzenkandidat der Gevelsberger Sozialdemokraten bei der Kommunalwahl im September erlebte „eine Fahrt durch das Bergische Land ohne bemerkenswerte Steigungen.“
Von Gevelsberg zum Wuppertaler Zoo kommt man inzwischen genauso schnell mit dem Fahrrad wie mit dem Auto, stellten die Teilnehmer fest. „Auf jeden Fall schneller als von Silschede zum Gymnasium“, schimpfte ein Familienvater, der seine beiden Söhne gern auf sicheren Wegen mit dem Rad in die Schule schicken würde. Und auch der oberste Radfahrer der Stadt, Georg Schäfer als Vorsitzender des Fachforums Radverkehr der Zukunftsschmiede, hatte sich dem Konvoi angeschlossen und ein umfangreiches Archiv über die zurückliegende Berichterstattung unserer lokalen Zeitung übergeben.
Als wollte Petrus den Protest der Gevelsberger unterstützen, stellte er am Samstag den Regen kurz vor dem Start am Bahnhof-West ab. In Haan, bei einem Zwischenstopp zur Stärkung der Teilnehmer, zeigte sich der Himmel zum ersten Mal in strahlendem Blau. Am Ziel in Düsseldorf hatte nicht nur die Sonne, sondern auch die Radler einen Grund zum Lachen. Ausgerechnet kurz vor ihrer Ankunft wurde der Platz vor dem Landtag für Radfahrer gesperrt. „Da hat sicher Minister Oliver Krischer seine Hände im Spiel“, vermutete eine Radlerin. Der Grünen-Politiker weigert sich vehement, den Skandal um den Gevelsberger Radweg, der eigentlich bereits vor fünf Jahren fertiggestellt sein sollte, zur Chefsache zu machen. „Ausgerechnet die Grünen treten bei der Verkehrswende auf das Bremspedal“ schüttelt Claus Jacobi den Kopf.
Seine Sozialdemokraten hatten das Thema schon früh auf ihre Fahnen geschrieben, als die ersten Verzögerungen beim Bau gemeldet wurden und wieder Sträucher wuchsen wo alles bereits gerodet war. „Und das wir uns engagieren, darüber sind sogar Politiker anderer Parteien froh“, hat Helge Mannott beim Sammeln der Unterschriften unter der Petition gemerkt.
Empfangen wurden die Radler von Carsten Löcker. Der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Fraktion und Mitglied im Petitionsausschuss im NRW-Landtag hatte extra seinen Urlaub verschoben, um bei der Übergabe der Unterschriften im Landtag dabei zu sein. Auch er sieht Minister Krischer als Hauptgrund für die unverantwortlichen Verschleppungen: „Es reicht nicht, über die Verkehrswende zu sprechen, man muss auch etwas tun.“
Die Gevelsberger Protest-Radler und ihre Unterstützer daheim hatten am Samstag das gute Gefühl, mit ihrem Ärger an der richtigen Stelle Druck gemacht zu haben.